Früher war alles besser
Ich weiß ja nicht so recht, was ich mit solchen Sprüchen und derlei Behauptungen wie “Früher war alles besser” anfangen soll.
Da ist einerseits Jawl’s Gitarrenhelden Beitrag und auch der sich darauf referrierende SiteLounge Beitrag mit dem wehmütigen Titel Musikhelden von gestern… und heute .
Wie ich auch schon dort erwähnt habe, ist dies oft recht selbstrügerisch und eine durch und durch subjektive Sicht der Dinge.
In der Jugend ist für viele die Musik das A und O und so verwundert es nicht, dass gerade in dieser Zeit die konsumierte Musik sehr teife Spuren in unseren musikalischen Gehirnregionen und vor allem in den emotionalen Regionen hinterläßt. Nicht selten verknüpfen wir einzelne Musiktitel dieser Zeit mit ganz bestimmten Ereignissen. Diese Verknüpfung ist in diesen Jahren viel stärker, als es bei späteren Titeln sein wird, mal von Ausnahmen abgesehen. Und so etwas prägt natürlich und macht für uns diese Musik und die jeweiligen Musiker und Interpreten, so einzigartig.
Zudem kommt noch, dass wir mit der Zeit, oftmals viel weniger Zeit haben, uns so richtig intensiv und ausgiebig mit der aktuellen Musik zu beschäftigen, wie wir es damals taten. Oft genug hört man eh nur noch die Musik von früher und dreht das Radio ab, wenn denn neue Titel gespielt werden. Auch fehlt es dann an dem unvergleichlichem Lebensgefühl, was man damals, mit der Musik verband, was uns gegenüber den Erwachsenen auch oftgenug trennte und uns Gleichaltrige einte.
Und das Kuriose dabei ist, dass nicht selten viele, die dann später selber Eltern werden, sich so unverständlich gegenüber dem Musikgeschmack ihrer eigenen Zöglinge zeigen, wie sie es selber gegenüber ihren Eltern taten.
Und dann gab und gibt es immer diese Älteren, die den Jüngeren erzählen, sie wüßten ja gar nicht, was gute Musik ist und dass das Neue überhaupt nicht verdiene, Musik genannt zu werden.
Da frag ich mich doch, ob denn hier niemand aus der Vergangenheit lernt und warum der Mensch so dumm ist, über die eigenen Fehler zu stolpern?
Wenn heutzutage die Leute die Köpfe schütteln, weil Mädels bei Tokio Hotel und den Killerpilzen in Hysterie verfallen, dann kann ich nur schmunzeln und besinne mich dabei an die Zeiten wo ich noch enige Jahre weniger auf dem Buckel hatte oder erfreue mich an Bildern der Beatles, wie sie in Hamburg für Aufruhr sorgten, und noch ein Willi Brand nebst Gattin im Konzertsahl zu sehen ist.
Das wäre doch was, Tokio Hotel spielen und in der ersten Reihe, eine Angela Merkel
Die Musik wird nicht schlechter und auch nicht besser, sie weiß sich nur immer wieder zu wandeln und neu zu erfinden. Und wer etwas neugierig durch die musikalische Welt geht, der ist auch erstaunt, wie gut das heutzutage funktioniert. Das funktioniert so gut, dass auch alte Recken wie ein Santana, hip sind und trotz alter Gitarrenklänge, modern klingen.
Aber die subjektive Sichtweise von Musik ist auch nicht so verkehrt, denn das schöne an der Musik ist ja eben, dass sie so subjektiv ist.
Viele können, aber nicht jeder wird und muß sie gleich empfinden.
Musik ist auch immer wieder für uns Geschichte und die damit verknüpften Erinnerungen haben uns geprägt und werden dies über Generationen hinweg immer wieder tun. Musik kann langlebig sein und genauso auch kurzlebig für einen einzigen Moment bestehen und wirken.
Das ist es doch auch, was wir an der Musik so lieben. Musik ist so emotional, dass wir sie zur jeweiligen Stimmung auflegen und sie uns in eine Selbige bringen kann.
Musik war nie besser und wird auch nie besser sein. Sie war, ist und wird immer wieder dass sein, was sie schon immer war, nämlich die Kunst mittels Tönen und auch Texten, in uns Emotionen und Erinnerungen zu wecken.



Hallo Joaquim,
schöner Artikel den Du da geschrieben hast. Mir geht es ganz ähnlich und ich bin oft verwundert wie wenig Musik ich heute, im Vergleich zu früher höre. Dann kommen wieder Phasen wo ich ganz intensiv Musik höre und dann ist wieder funkstille.
Gruß
Ebi
Und schon könnte man sagen, da man früher viel mehr Zeit zum Musikhören hatte: “Früher war doch alles besser!”
Nö, ich will nicht wieder zurück in die Vergangenheit, auch wenn das ja garnicht geht. Ich fand mein Leben früher auf keinen Fall besser, halt nur anders. Übrigens mag ich Leute nicht so gerne die immer von früher reden. 1.) weil die Aussagen zu früher nie wirklich überprüfbar sind (wir können noch nicht zurück in die Vergangenheit) 2.) weil damit meist eine kritik an der Gegenwart verbunden ist, die in den seltensten Fällen einen konstruktiven Beitrag zur Verbesserung der Gegenwart beinhaltet.
Ich hab mir aus Deutschland meine alten Tagebücher mitgebracht. Au weia, was da steht zeigt keine glücklichere Zeit für mich als sie heute ist. Die Verklärung der Vergangenheit ist also eher sowas wie ein Trost für die beschissene Gegenwart. Ich guck lieber ins Jetzt und mach manchmal kleine Plänchen für die Zukunft. Huch hab heut nen Labertag! PS dein Blog macht Spaß, ich lese täglich mal vorbei bei Dir. Bin also treuer Kunde!!!!
Hab ne gute Zeit
Ebi
@Joaquin: Dein Artikel ‘Früher war alles besser’ nicht schlecht. Dennoch verwahre ich mich gegen eine falsche Darstellung:
Richtig, JAWLs Artikel ‘Gitarrenhelden’ inspirierte mich zu einem eigenen. Schon in seinem ersten Satz schrieb er dort: “…nee, nicht besser, aber anders”, und etwas anderes habe ich in meinem eigenen Artikel auch nicht behauptet, weiterlesen…
Dafür bedanke ich mich und hoffe ich werde dem Erwartungsdruck stand halten können.
Auf jedenfall freue ich mich, dass ich hier einen Stammleser gefunden habe.
Das wurde dann hier etwas falsch verstanden. Ich habe deinen Artikel u.a. als Anregung genommen um diesen hier zu schreiben um insbesondere über Menschen mit solchen Aussagen (zu denen ich selbst ja auch ab und zu gehöre) zu schreiben.
Du warst nicht mein Kritikpunkt, sondern in diesem Fall, meine Muse
Ist manchmal nicht ganz einfach, ich hatte mich schon gewundert.
Sorry von meiner Seite